Durch plötzliche Eingebung bin ich soeben zum absolut überzeugten Christen geworden. Dabei würde ich weder von einem Wunder noch von einer Vision sprechen wollen. Es ist Samstag, kurz nach 9, und ich sitze schon wieder seit gut einer Stunde am Schreibtisch. Eigentlich hatte ich heute ein sehr lange aufgeschobendes Date mit meinem Sofa und „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, denn heute ist (/wäre gewesen) das seit drei Wochen erste so richtig freie Wochenende angesagt (abgesehen von ein bisschn Messevorbereitung und so). Aber nein, irgendwelche  verwirrten Psychen glauben doch tatsächlich, dass man in so einer Branche nicht nur jeden Abend bis 00:30 Uhr gerne für weitere Fragen zur Verfügung steht, nein, auch samstags und vorallem sonntags muss natürlich zur Schau getragen werden, dass wir das mit dieser Arbeit echt richtig total ernst meinen. Außerdem machen wir alle den Job ja auch total gerne, so dolle gerne, dass es eigentlich mehr ein Hobby – oder besser noch: eine Berufung ist und wir total erfüllt sind, auch sonntags einen Sinn in unserem Leben zu haben. Workoholic ist ja mittlerweile auch so eine Art Adelung geworden, das Eiseren Kreuz des Kapitalismus oder so. Hey man, sonntags sind hier selbst die Ampeln aus!!! Und ich gönn es ihnen. Da Verleger ja aber leider nur in Ausnahmefällen Ampeln sind, dürfen die natürlich durcharbeiten. Und das hab ich langsam aber so was von . . .  hm – wie heißt das in diesem Falle? Von viel Essen wird man satt, von viel Trinken (auch wenn sich das nicht durchzusetzen scheint) sitt und von zu viel sinnlos nervtötendem Scheiß, der kein Ende nimmt, wird man??? Sagen wir einfach sott. Ich habe es also dermaßen sott hier einen auf 24-7 zu machen, das kann ich gar nicht sagen. (Endziel: kollektiver Leistungsbruch oder was? Na, da freun sich die Krankenkassen – und nicht nur die!) Und darum die ad hoc Missionierung zum (wenigstens sonntags) extrem gläubigen Christen. Hey, ich soll am 7. Tage ruhn hat mein Boss gesagt, sorry, wenns nach mir ging, aber ich kann ja nicht einfach, versuchen Sie’s doch am Montag wieder, ja, Sie können sich gerne beim Chef über mich beschweren, wird ihn bestimmt brennend interessieren.

Wer also in Zukunft irgendetwas will, der möge das von Mo.-Sa. an mich heran tragen. Es sei denn, es ist anders abgesprochen, es ist eine Veranstaltung oder eine Messe oder irgendetwas anderes wichtiges. Ok, sagen wir wenigstens: einen Sonntag pro Monat wird man sich doch gönnen dürfen. So. Und jetzt wird weitergearbeitet.

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