Das Ende der Literatur
(in memoriam Neal Cassady)

Natürlich kann ich mir vorstellen, jetzt,
Nach Mitternacht am Schreibtisch,
Während betrunkene Beats aus den schwarzen Boxen rollen,
Ich säße auf der Autobahn, ich meine,
Ich bin da und der Asphalt fliegt unter mir weg
Wie ein Pfannkuchen, du weißt schon,
An den runden Enden wird er immer dünner wie ein thin
Man auf dem big table,
Also, ich sitze da wie in einem schäbigen Chevrolet,
Mit offenem Hemd, irgendwie spielt der
Fahrtwind mit und mit meinen Haaren,
Und keiner, der sagt, du mußt mal wieder zum Friseur,
Ich meine, im Gegensatz dazu könnte ich auch
In einem Wald umherstreifen, in einem
Stillen Wald und Silence is golden singen oder poetry
To protect me vor mir in einen holzhaltigen
Notizblock schreiben, mit einem dieser
Kleinen Bleistifte, die bei Ikea rumliegen,
For the whole world des Konsums,
Ich meine, ich könnte mir eine Zigarette anstecken am
Schienenstrang und versuchen, den Weg zu finden,
Den Neal nicht gefunden hat,
Lag da irgendwann irgendwie und war gestorben vor
Seiner Zeit, ich meine, im Bus mit der
Suppenterrine voller LSD-Punsch, da sah die Erde
Noch neonbunt&kund aus und Pfadfinder
Stiegen ein&aus und malten sich die Gesichter mit den
Farben an, die der Sonnenuntergang des Abendlands ausspie,
Und er war dabei, ja, wie auf einem dieser
Festivals, wo die haarigen, kleinen Kinder rumlaufen,
Weil sie nicht einverstanden sind mit der
Wallstreet und dem Kuckucksnest in dem
Vorgarten ihrer Vorväter, turn your loved ones on,
Schreiben sie auf Plakate mit hageren Gesichtern und Gesten
Wie von Übergestern als wären sie in einem
Geklauten Oldsmobile unterwegs nach Denver oder Chicago,
Und der Würfel rotiert in ihrer Blutbahn,
Und sie klettern die Fassaden hoch,
Um verirrte Blumen zu begießen,
Die ganze Zeit über die Sehn-
Sucht im Ohr, daß jemand ihren Namen ruft,
Horse without name / the desert is no game / and I would
Not feel so all alone, bis das Geschrei aus den
Nebenstraßen quillt wie ein nebeliger Pop-Song aus einer
Radiohitparade, die du auf einer endlos gradgezogenen
Landstraße, mit miles to nowhere vor dir und
Einer Erinnerung an teures Parfüm hinter dir,
Aus dem Äther holst, und
Du schnüffelst, ist das das, was du wolltest?
Müde geworden wie von zuvielen Gigs mit zu wenig Money?
Ausgelaugt von den brutalen Sonnen auf den Einmann-Banditen-
Apparaten der letzten verwegenen Spielhöllen
Des UNtoten-Landes?
Schweinige Nackenfratzen in Alpträumen,
Oh Gott, wie auch immer,
Es kommt noch schlimmer, unkst du, um dem Schicksal der
Roten Laterne zu entgehen auf den Blue Highways,
Auf denen die Spielleute tanzen und die Wahrsager rotieren,
Wenn der Grizzly herantappst und um Erdnüsse buhlt,
Ja, so verrottet & verlogen, so uneinsichtig
Wie eine schusselige Butterblume,
Die im Rinnstein ihr Domizil aufgeschlagen hat,
So schleppst du dich durch die Geschichte,
Blasse Briefe in der Brusttasche,
Eine zerknitterte Packung Camel in der Hose,
Das Gesicht adlerscharf,
Die Augen zugekniffen, wie ein dickes, altes Buch, in dem
Ein abgebranntes Streichholz für einen winzigen Spalt
Freiluft sorgt, ach, und du willst nicht vergeben
Den Kerlen, die dir das wenige gegeben haben,
Das dir keiner nehmen kann,
Weil du es nicht selbst geschafft hast?
Ich bin noch nicht zu Ende,
An diesem großen Schreibtisch inmitten der Wüste Nevadas,
Wo sie Neal gefunden haben, ausgemergelt,
Ohne die letzte Ration Wasser aus der Feldflasche getrunken
Zu haben wie jemand, der meint, sparen zu müssen
Für eine Zeit am Lagerfeuer,
An dem tote Spaziergänger Rast machen,
Hey, Coyote,
Hey, Möndchen,
Hey, Wendigo, Dingo, Silberpferd singend,
Sich dabei seltsam bewegend,
Und die flames got higher,
Und die Sturmwolken brausen wie Wildgänse durch die Nacht,
Und die Teufel sind los,
Und du hockst in einem schrottreifen Cadillac,
Den du einem Junkie abgekauft hast,
Und das Country-Radio spielt die Batterie leer,
Und du mußt kotzen,
Aber weißt nicht wohin mit dem Schmodder,
Alles muß raus,
Last Exit Sale,
Stand auf dem verblichenen Plakat an irgendeiner Bretterbude,
Die dir in deinen unwirtlichen Träumen in den Kopf kam,
Wo hast du sie zuletzt gesehen?
Immer noch der Blues um eine verstrichene Liebe?
Immer noch der Versuch, den Boden unter den Füßen zu verlieren,
Der mit den Glassplittern ungezählter Whiskey-Flaschen besäte,
Der mit den vielen Tickets ausfransender Konzerte in
Irgendwelchen verrauchten Existenzialistenbars,
Wohin dich eine blonde Mähne gezogen hat,
Gestern wars / bleicher Rauch stieg aus den roten Bars,
Haben sie gegröhlt,
Als sie zum Grab schlenderten,
Mit gezogenen Hüten,
Mit stierer Miene,
Mit einem Gefühl, als hätten sie eine Band in den Adern,
Mit schlechtem Gewissen, weil es in den Fingern zuckt,
Und im Vorderhirn der Wunsch nach einem heißen
Becher Kaffee und einer Chesterfield ohne Filter,
Und wälzten den Stein.

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