Auf den Schwingen von Wut und Irrsinn

(Von Eva Szulkowski)

Der namenlose Protagonist sitzt in den Scherben seiner bescheidenen Existenz, die er selbst in einem irren Drogendeal gnaden- und sinnlos neu zurecht möbliert hatte. Auch sein Körper ist ein einziges Schlachtfeld, und sein Geist – nun, sein Geist… Schuld an allem, darin ist er sich sicher, ist jedenfalls das Dorf. Das Dorf, die „Kreisklassenhölle“, ist im gleichnamigen Debütroman des Karlsruher Autors Stefan Gaffory sowas wie der Bösewicht. Hier gibt es keine sentimentalen Kindheitserinnerungen à la „…und es war doch irgendwie für was gut“, hier wird knallhart mit allem abgerechnet: Dem Spießbruder, den rechtskonservativen Ahnen, den „alten Freunden“ und vor allem dem Dorfleben selbst, das sich in Bürgermeister Wulff, einem typischen Dorfpatriachen, personalisiert. „Kreisklassenhölle“ lebt dabei von seiner herrlich respektlosen Schreibe auf den Schwingen von Wut, Irrsinn und schwarzem Humor und von einem Hauptcharakter, den eigentlich kein Leser ernsthaft leiden können kann – eigentlich. Faktisch gesehen findet man sich in seiner überzogenen Misanthropie und in deren drastischen Konsequenzen viel öfter wieder, als einem lieb sein kann. Dieses Buch ist nicht schön. Es hat Ecken und Kanten, es holpert sprachlich manchmal vor sich hin, aber es ist böse, fatal, originell und macht bei entsprechender Toleranzgrenze diebisch viel Spaß.

Am 18. Februar feierte der Mainzer gONZo Verlag die Veröffentlichung von „Kreisklassenhölle“ im allergutendinge – mehr dazu findet ihr auf http://www.stuz.de

(Aus der STUZ vom April 2010)

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Stefan Gaffory liest aus seinem Debütroman „Kreisklassenhölle“ im Café23 

(Von Anne Engelhardt für Citydisplay)

Der 1973 geborene Karlsruher fällt schon durch sein Aussehen auf: schwarze Brille, schwarze Baseballcap, schwarze Hose, schwarzes Hemd mit Totenköpfen und sein Markenzeichen: er trinkt Bier während der Lesung.

Alles zusammen erinnert an die Punk-Rock-Szene, die auch das ein oder andere Mal in seinen Texten durch-schimmert.

Mitgebracht hat er neben seinem Debütroman „Kreisklassenhölle“ von 2008 mehrere Kurzgeschichten und seinen „Fanclub“, der durch Pöbeln jedoch eher negativ auffällt. Seine Texte sind erschreckend und provokant zugleich, so zum Beispiel die Kurzgeschichte „Der Katzenkönig“. „Der Bub“ findet in einem Hinterhof eine tote Katze, landet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, danach in einem betreuten Wohnen für psychisch auffällige Jugendliche und endet schließlich als Stricher auf einer Bahnhofstoilette, bevor er sich vor den Zug wirft.

Sein Roman handelt von einem Außenseiter, der auf dem Dorf wohnt und schließlich in der Punkszene landet. Nach seiner Ausbildung als Altenpfleger entschließt er sich, ein neues Leben anzufangen, in eine größere Stadt zu ziehen und dort zu studieren. Er wird zum Einzelgänger, beschäftigt sich mehr mit Drogen, Party und Heidegger, als mit seinem Studien, wird zwangsexmatrikuliert und sinkt noch tiefer ab.

Gaffory war bemüht seine Texte lebendig vorzulesen, seine Begeisterung auf das Publikum zu übertragen, was jedoch häufig übertrieben rüberkam. Gute Ansätze waren auch dabei, leider endete sie meist im Nichts. Seine teilweise sehr anstößigen und vulgären Formulierungen, passend dazu das Bier auf dem Lesepult und der „Fanclub“, der auch durch Pöbeln des Autors bei Stimmung gehalten wurde, war wenig stilvoll.

(Aus: Succulture, URL: http://succulture.de/der-autor-stefan-gaffory-liest-aus-seinem-debutroman-%E2%80%9Ekreisklassenholle%E2%80%9C-im-cafe23/)

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