WOZ Nr. 21/2013 vom 23.05.2013

                Aus der Hüfte geschrieben

    Von Florian Vetsch

Die Wahlzürcherin Susann Klossek, 1966 in Leipzig geboren, ist eine weit gereiste Journalistin – und eine Bad-Ass-Poetesse ohnegleichen. Eine deutschsprachige One-Woman-Pussy-Riot-Band in Sachen Poesie, eine zeitgenössische Ringelnätzin, wenn man will. «Drecksack»-Herausgeber Florian Günther bringt es auf den Punkt: «Susann Klossek haut mit der Faust auf den Tisch, wo andere Autorinnen nur zaghaft und verspielt am Spitzendeckchen zupfen.» Journalistin – und eine Bad-Ass-Poetesse ohnegleichen. Eine deutschsprachige One-Woman-Pussy-Riot-Band in Sachen Poesie, eine zeitgenössische Ringelnätzin, wenn man will. «Drecksack»-Herausgeber Florian Günther bringt es auf den Punkt: «Susann Klossek haut mit der Faust auf den Tisch, wo andere Autorinnen nur zaghaft und verspielt am Spitzendeckchen zupfen.»

Im Gonzo-Verlag ist Klosseks herz- und hirnerquickender neuer Lyrikband «Der letzte grosse Bluff» erschienen. Darin sucht sie couragiert das Anstössige, entert, mit allen Wassern gewaschen, tabuisierte Zonen, tritt schwungvoll in Fettnäpfchen, ernüchtert zynisch; so etwa im liedhaften Text auf Zürich «Sommerzeit am See»: «Die Bahnhofstrasse ist gar lang / Dass Frau Geheimrat shoppen kann / Bei Gucci, Prada und Chanel / Ein Höschen für ihr Bärenfell // Und der Gemahl / Ganz ungeniert / Am Sihlquai läufig langchauffiert // Wo sind sie hin / Die Ost-Block-Huren / In die Verrichtungsbox sie fuhren». – Mit «Der letzte grosse Bluff» tritt im zehnten Jahr ihres Autorinnendaseins eine Wucht von einer Dichterin auf den lyrischen Plan, ein weiblicher Hank Chinaski, mit Texten, die von unten kommen, soziologischen Tiefgang haben, die anecken, ausscheren und nicht zuletzt einen abgründigen Witz versprühen. In ihren «51 Kurzen», wie die süffigen Gedichte im Untertitel heissen, analysiert Klossek den Alltag mit kühlem Blick. Sie schreibt mit wildem, noch immer lebendig schlagendem Herzen gegen die allgemeine Trostlosigkeit an – und langweilt nie. Ideologien stört sie mit leichter Hand auf, ballert aus der Hüfte gegen links wie rechts: «Ich lese die WOZ und die Weltwoche / beides gleichermassen beschissen / Auf seine ureigene Art».

Susann Klossek schiesst sich den Weg frei zu einem unvoreingenommenen individuellen Standpunkt. Sie schafft lyrische Eilande jenseits aller Autoritäten – lesenswerte Poesie.

http://www.woz.ch/1321/buch/aus-der-huefte-geschrieben

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